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4. Squadron des Australian Flying Corps auf dem Butzweilerhof
 
 
  
Die Geschichte von Henri Heremene und Tim Tovell
 
Eine ergreifende (Weihnachts)Geschichte, die sich jetzt/heute vor einhundert Jahren hier in Köln auf dem Butzweilerhof am 1. Weihnachtsfeiertag ereignete, ist die Geschichte des französischen Kriegswaisen Henri Heremene.
 
Seit dem 16. Dezember 1918 war die 4th Squadron des Australian Flying Corps als Teil der alliierten Besatzungsmacht des Rheinlands in Köln auf dem Butzweilerhof stationiert.
 
Am 1. Weihnachtsfeiertag war es kalt, eine dünne Schneedecke lag über Köln und die 4th Squadron feierten das erste friedliche Weihnachtsfest nach dem Krieg, als ein kleiner französischer Junge bei den Australier um Hilfe bettelte. Sein Name war Henri Heremene.
Der kleine Henri wusste weder wie alt er war, noch wo seine Heimatstadt war. Seinen Vater, der in der französischen Armee diente und an der Front fiel, verlor er schon sehr früh. Bei einem Artillerieangriff wurde kurz danach auch seine Mutter getötet und sein zu Hause zerstört. Der Junge war mit ca. sieben Jahren ab 1914 also ganz alleine und irrte wohl eine Zeit lang hinter der Front durch die Gegend. Ein britischer Oberstleutnant der Royal Artillerie kümmerte sich um ihn, wodurch der Junge zu einer Art Maskottchen verschiedener britischer Einheiten wurde. Bei einem Rückzug aus Mons wurde der Wagen, in dem Henri saß, durch eine Granate vollständig zerstört. Aber Henri überlebte das. Trotzdem blieb der Junge bei der Einheit bis Mitte 1916, als er mit in einen Artilleriangriff bei Ypern geriet. Bei diesem Angriff wurde fast die gesamte Einheit getötet und Henri am Knie verletzt. Henri war wieder alleine. Der Junge wurde in einem Militärkrankenhaus behandelt und schließlich entlassen, woraufhin er an die Front zurückkehrte und sich wieder einer britischen Artillerieeinheit anschloss. Vier Tage, nachdem er sich dieser Einheit angeschlossen hatte, wurde er wieder durch eine Explosion - wenn auch nur leicht - verletzt. Leider wurde auch der britische Offizier, der sich um ihn gekümmert hatte, bei diesem Angriff getötet. Daraufhin schloss er sich einer Fliegereinheit der britschen Royal Air Force an.
Irgendwie kam der Junge mit der 48. Squadron der britischen Royal Air Force dann im Dezember 1918 nach Cöln zum Butzweilerhof. Da die Soldaten der 43. Squadron freundlicher zu ihm waren, schloss er sich ihnen an. Wie er später erzählte, roch er am 1. Weihnachtsfeiertag die gebratenen Gänse und Enten sowie den Pudding, die gerade für das Weihnachtsessen der Unteroffiziere und Mannschaften der 4th Squadron des Australian Flying Corps zubereitet wurden. Er war alleine, hatte Hunger und er fror. In seiner Not sprach er den australischen Flugzeugmechaniker Tim Tovell (*1878 in London) an, der gerade Wachdienst hatte. Der wollte den „deutschen“ Jungen eigentlich weg schicken, wunderte sich aber, dass der kleine deutsche Junge so gut Englisch sprach. Aber Henri stellte sich als Franzose vor – also als einen der Sieger. Tim half ihm daraufhin sofort. Der Beginn dieser Geschichte am 1. Weihnachtsfeiertag auf dem Butzweilerhof können Sie hier aus dem Buch "Young Digger" von Anthony Hill auszugsweise nachlesen: "Christmas at Bickendorf"
Henri wurde von den Australiern eingeladen und konnte sich nach langer Zeit so richtig satt essen - was für ein Weihnachten!
Der Fliegerarzt stellte bei dem Jungen eine gute Gesundheit fest und schätzte das Alter auf ca. neun Jahre. Da Henri noch zu jung war um seine Geburtstag zu kennen, wurde als Geburtstag der 25. Dezember 1907 festgesetzt.


Die 4th Squadron des Australien Flying Corps mit Henri Heremene an Weihnachten 1918 auf dem Butzweilerhof
Dieses Gruppenfoto der 4th Squadron wurde an Weihnachten 1918 auf dem Butzweilerhof aufgenommen. Es zeigt die gesamte Squadron zusammen mit dem neuen Kameraden Henri in ihrer Mitte.
Um Henri zu finden, bewegen Sie bitte den Cursor über das Foto.
Für eine größere Darstellung klicken Sie bitte auf das Foto.
Winter 1918/19 - die Sopwith Snipe der 4th Squadron steht im Schnee aufgereiht vor der Riesenflugzeughalle auf dem Butzweilerhof.
Winter 1918/19 - die Sopwith Snipe der 4th Squadron steht im Schnee aufgereiht vor der Riesenflugzeughalle auf dem Butzweilerhof.
Programm und Speisenkarte der 4th Squadron zu Weihnachten 1918 auf dem Butzweilerhof
 
Die Programm und Speisenkarte der 4th Squadron zu Weihnachten 1918 auf dem Butzweilerhof.
Für eine Vergrößerung klicken Sie bitte auf das Foto.
Da für eine gesamte Squadron sehr vielen gebratenen Gänsen und Enten zubereitet wurden, dürfte der Geruch über die gesamte Fliegerstation gezogen sein. Daher ist es kein Wunder, dass das den kleinen Henri angezogen hat.
Das Festtagsmenü
- Vorsuppe
- Lachscroquetten
- Roast beef mit Meerettichsoße
- Gebratene Gänse und Enten mit Apfelsoße
- Pflaumenpudding mit Brandysoße
- Früchte aus der Dose mit Vanillepudding
Dazu Wein, Schnaps und Bier
Zigarren und Zigaretten
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Hier ist der gute Rheinwein, meine Jungs
Trinkt ihn, solange Ihr könnt.
 
 
 
Henri Heremene bei der Jagd auf Ratten am Butzweilerhof.
"Digger" Henri auf dem Butzweilerhof mit einem Rattenkarren.
 
Henri, der nun als "Little Digger" das Maskottchen der 4th Squadron war, freundet sich auf dem Butzweilerhof mit dem Hund "Roy" an. Beide zusammen waren ein unschlagbares Team bei der Abwehr von Ratten. Das sprach sich auch außerhalb des Butzweilerhofs herum. Das Foto auf der rechten Seite zeigt Henri, der auf dem Butzweilerhof mit einem Rattenkarren die Überreste von erlegten Ratten einsammelt.
  
Lieutenant N. C. Johnson bringt Henri das Eislaufen auf dem zugefrorenen Weiher des Kölner Stadtwald bei.
Lieutenant N. C. Johnson bringt Henri das Eislaufen auf dem zugefrorenen Weiher des Kölner Stadtwald bei.
Viele Freizeitmöglichkeiten gab es damals noch nicht. Fotos vom Winter 1918/1919 zeigen die Australier zusammen mit Henri auf dem Weiher des Stadtwald beim Schlittschuhlaufen.


Soldaten der 4th Squadron beim Eislaufen auf dem zugefrorenen Weiher des Kölner Stadtwald. Henri guckt sehr skeptisch in die Kamera.
Soldaten der 4th Squadron beim Eislaufen auf dem zugefrorenen Weiher des Kölner Stadtwald. Henri guckt sehr skeptisch in die Kamera.





















Tim Tovell und Henri Heremene auf der Suche nach der Familie von Henri in Bethune/Pas de Calais. Tim Tovell und Henri Heremene auf der Suche nach der Familie von Henri in Bethune/Pas de Calais.










Als die Squadron auf dem Butzweilerhof stationiert wurde, war schon klar, dass es nicht mehr lange dauern würde bis die Einheit zurück nach Australien gebracht werden würde. Aber was sollte nun mit dem Jungen passieren? Nachforschungen der 4. Squadron in Seclin (woher der Junge wahrscheinlich kam), Lille und Umgebung, um die Familie des Jungen zu finden, blieben erfolglos. Aber die Soldaten wollten den Jungen auch nicht alleine in Deutschland zurück lassen.
 

Henri und seinen zukünftigen Onkel Ted Tovell auf dem Butzweilerhof.
Dieses Fotos zeigt Henri und seinen zukünftigen Onkel Ted Tovell auf dem Butzweilerhof. Während spätere Fotos ihn in seiner Uniform des Australien Flying Corps zeigen, trägt er hier noch die Zivilkleidung die er trug, als sein zu Hause in Frankreich zerstört wurde.























Todesanzeige von Timmy Tovell, Sohn von Gerti und Tim Tovell
Todesanzeige von Timmy Tovell, Sohn von Gerti und Tim Tovell, der mit vier Jahren 1. Februar 1919 an Kinderlähmung starb.












Da er Henri schätzen und lieben gelernt hatten, schrieb Tim Tovell schrieb deshalb an seine Frau Gerti und teilte ihr mit, dass er den Jungen adoptieren wollte. Gleichzeitig erhielt er im Februar die traurige Nachricht seiner Frau aus Australien, dass sein vierjähriger Sohn Timmy am Samstag den 1. Februar 1919 an Kinderlähmung verstorben war. Guckt man sich die Fotos an, die Henri zusammen mit seinem zukünftigen Vater zeigen, war Henri, trotz der traumatischen Erlebnisse in Frankreich, sehr glücklich. Aber die Einreiseformalitäten Australiens sowie die Büroformalitäten zw. Fürsorgepflicht des französischen Staats für einen Vollwaisen mit entsprechenden Wartezeiten (Postlaufzeiten) hätten Monate vielleicht sogar Jahre gebraucht. Mit großer Wahrscheinlichkeit wäre Henri auch in ein Waisenhaus gebracht worden. Die Beziehung der beiden wäre darüber mit großer Wahrscheinlichkeit kaputt gegangen. Wäre das auch zum Wohl von Henri gut gewesen?
Wie sollte es jetzt also weiter gehen?

Nun lief alles nach dem deutschen Grundsatz: "Der Zweck heiligt die Mittel."
  
In Hurdcott Camp demonstriert Tim, wie er Henri in einem Hafersack an Bord des Dampfers nach Southampton schmuggelte. In Hurdcott Camp demonstriert Tim, wie er Henri in einem Hafersack an Bord des Dampfers nach Southampton schmuggelte. In Hurdcott Camp demonstriert Tim, wie er Henri in einem Hafersack an Bord des Dampfers nach Southampton schmuggelte.
 In Hurdcott Camp demonstriert Tim, wie er Henri in einem Hafersack an Bord des Dampfers nach Southampton schmuggelte.




Um die "langsam mahlenden Mühlen der Behörden" zu umgehen schmuggelte Tim den kleinen Henri mit Hilfe seines Bruders Ted und der gesamten 4th Squadron auf den Dampfer "Lorina" nach Southampton in England. Henri wurde dazu in einen Hafersack gesteckt, den sein neuer Onkel Ted, der zusammen mit seinem Bruder in der selben Squadron diente, an Bord trug. Gleichzeitig war die gesamte Squadron damit beschäftigt entsprechende Wachen oder Zollbeamte abzulenken - mit Erfolg.
Der Coup gelang und Henri ging in England von Bord..
    
London - Henri "Little Digger" in seiner neuen Uniform als stellvertretenden Unteroffizier ehrenhalber. Am linken Ärmel trägt er stolz seine zwei Verwundeten-abzeichen. London - Henri "Little Digger" in seiner neuen Uniform als stellvertretenden Unteroffizier ehrenhalber. Am linken Ärmel trägt er stolz seine zwei Verwundeten-abzeichen.
In Hurdcott Camp bekam das Box-Team der Squadron einen engagierten Trainingspartner.
In Hurdcott Camp bekam das Box-Team der Squadron einen engagierten Trainingspartner.
Die Squadron wurde zuerst in Hurdcott Camp (nordwestlich von Southhampton) kaserniert. Zu dieser Zeit erhielt Henri, der jetzt den Spitznamen "Little Digger" trug, in London eine eigene Uniform, die ihm die Squadron bezahlte und  die der Uniform des AFC entsprach. Außerdem bekam er auf seiner Uniform zwei Verwundetenabzeichen, da er, trotz seiner jungen Jahre, zwei Mal verwundet wurde. Über diese Verwundeten-abzeichen war er besonders stolz. Außerdem wurde er zum stellvertretenden Unteroffizier ehrenhalber ernannt. Die Zeit vertrieb die Squadron sich mit Sport oder mit Besichtigung des nahe liegenden Flugplatzes.
 
Am 6. März 1919 wurde die Squadron auf dem Dampfer "Kaisar-i-Hind“ nach Australien eingeschifft. Nächste Station: Melbourne / Australien. Wieder musste Henri an Bord geschmuggelt werden. Dazu wurde diesmal ein Holzkorb umgebaut. Als die Tovell-Brüder an Bord gingen und den Korb auf dem Rücken trugen, rief ein britischer Einschiffungsoffizier quer über das Schiff und fragte, was sich in dem Korb befinden würde. Antwort eines australischen Offiziers: "Nur ein paar Boxerhandschuhe."

Drei Tage später, als das Schiff auf hoher See war und eine Umkehr nicht mehr in Betracht kam, durfte Henri endlich aus seinem Versteck. Als er über das Deck spazierte und dabei dem Kapitän begegnete, ereignete sich folgende Situation Zitat: "... beobachtet der plötzlich den Himmel so genau als ob jeden Moment feindliche Flieger das Schiff angreifen könnten. ...". Von da an war Henri auch der Liebling der Besatzung und der Passagiere. So lernte er auch den Premierminister von Queensland Thomas Joseph Ryan kennen, der auch an Bord war. Natürlich wurde in dem Zusammenhang auch über die strengen Einreiseformalitäten nach Australien gesprochen. Thomas Joseph Ryan sah, dass diese "Adoption" auch im Sinne des Jungen war und besorgte per Funk die nötigen Einreisepapiere. Somit konnte Henri am 19. Juni 1919 offiziell in Melbourne von Bord gehen.
Tim Tovell - schon in ziviler Kleidung - mit Henri und einem unbekannten australischen Soldaten auf dem Dampfer "Kaisar-i-Hind“.
Tim Tovell - schon in ziviler Kleidung - mit Henri und einem unbekannten australischen Soldaten auf dem Dampfer "Kaisar-i-Hind“.
Familie Tovell auf dem Weg von Brisbane nach Jandowae.
Familie Tovell auf dem Weg von Brisbane nach Jandowae.
Von Links nach rechts:
Ted Tovell, Nancy Tovell, unbekannter Mann, Henri Heremene-Tovell und Tim Tovell.

 
   
Nachdem die australische Presse die Geschichte hörte, verbreitete sich die Geschichte von Henri über das ganze Land. Am 20. Juni 1919 kam Henri in einem Truppenzug aus Melbourne in der Obhut von Tim und Ted in Brisbane an. Tim und Henri besuchten den französischen Konsul in Brisbane und erhielten die Erlaubnis das Henri bei Tim leben darf. Der französische Konsul war sehr am Wohlergehen von Henri interessiert. Ärztliche und zahnmedizinische Beamte schätzten Henri, statt neun Jahren, auf ein Alter von etwa elf Jahren. 
Henrie erzählte seine Geschichte auch den Medien. Klicken Sie für eine Vergößerung auf den Zeitunsartikel und lesen Sie hier ein Interview.
 
Zeitungsmeldung über die Ankunft von Tim Tovell und Henri in Australien
  
Auf einer Zugfahrt servierte eine junge Dame Henri das Essen und fragte ihn ob er mit Messer und Gabel umgehen könnte. Henri war ein bißchen geschockt und erwiderte: "Mit Messer und Gabel umgehen? Ich kann mit einem Gewehr umgehen."

Tim Tovell wurde am 17. September 1919 aus dem Militärdienst entlassen. Als Tim, Ted und Henri zu ihrer Familie nach Jandowae zurückkehrten, stellte Tim fest, dass es an Arbeitskräften mangelte, was dazu führte, dass die Familie nach Cooroy zog. Henri wurde am 27. Januar 1920 an der Cooroy State School eingeschrieben. Noch heute ist der Spitzname "Digger" Tovell ist eine Legende in Cooroy.

Zeitungsmeldung über die Ankunft von Tim Tovell und Henri in Australien
Prinz Edward VIII um 1915 - Inspekteur der britischen und australischen Flieger auf dem Butzweilerhof
Prinz Edward VIII um 1915
Als Inspekteur der Britischen Truppen besuchte er im Dezember 1918 auch Einheiten der Royal Air Force auf dem Butzweilerhof.
Im August 1920 besuchte der Prinz von Wales – der spätere König Edward VIII. - Cooroy auf seiner Australienreise, um der Nation für ihre Unterstützung Großbritanniens im Ersten Weltkrieg zu danken. Henri stand stolz mit den zurückgekehrten Soldaten zusammen, um den Prinzen zu treffen, der sehr an dem Jungen interessiert war. Er hatte Henri im Dezember, im Rahmen einer Inspektion, wahr-scheinlich zusammen mit seinem Bruder Albert (später King George VI), auf dem Butzweilerhof mit der 48. Squadron der britischen Royal Air Force getroffen. Auf die Frage des Prinzen, warum er die Engländer verlassen habe, antwortete Henri, dass die Verpflegung der "Aussies" besser war (kein Wunder - es handelte sich ja auch um das Weihnachtsessen.).
Während seiner Zeit in Cooroy arbeiteten Tim und sein Bruder Ted als Mitglieder der Cooroy-Zweigstelle der RSSILA (eine Art Berufseinstiegsagentur für Angehörige der Australischen Streitkräfte). Die Familie Tovell zog später nach Kangaroo Point, Brisbane.
Im Juli 1923 wurde Henri als temporärer Junior Assistant am RAAF-Hauptquartier in Point Cook, Victoria, aufgenommen. Henri wäre gerne zum Australien Flying Corps gegangen um sich zum Luftmechaniker auszubilden, aber der französische Generalkonsul wies darauf hin, dass der Dienst eines französischen Bürgers in einer ausländischen Armee gegen das französische Gesetz verstoße. Deshalb wurde Henri als Zivilangestellter beschäftigt. Henri beantragte deshalb mit 21 Jahren die australische Staatsbürgerschaft zu bekommen. Aber dazu sollte es nicht mehr kommen. 
 
 

Timothy W. Tovell zusammen mit seinem Sohn Henri Heremene-Tovell.
Timothy W. Tovell zusammen mit seinem Sohn Henri Heremene-Tovell.
Tim Tovell und Henri kamen im Haus der Familie Tovell in Jandowae an, wo Digger als Familienmitglied aufgenommen wurde. Die Familie zog dann nach Cooroy und später nach Brisbane.


 
Henri auf seinem Motorrad
Henri auf seinem Motorrad, mit dem er später verunglücken sollte. Da er im Australien Flying Corps als Motorenmechaniker arbeiten wollte, war er natürlich auch an Motorrädern interessiert.
      
Mai 1928 - Das letzte Foto von Henri mit seinen drei Geschwistern Nancy, Edward und Edith kurz vor seinem Tod.
Mai 1928 - Das letzte Foto von Henri mit seinen drei Geschwistern Nancy, Edward und Edith kurz vor seinem Tod. Zu dierser Zeit lebte die Familie in Brisbane. Henri war wahrscheinlich zu Besuch bei seiner Familie.
   
Das Grab von Henri Heremene
Das Grab von Henri Heremene
Henri verließ mit 18 Jahren Brisbane und ging nach Melbourne um zumindest als Zivilangestellter im Australien Flying Corps zu arbeiten. Mit 21 Jahren wollte er dann als australischer Staatsbürger seinen Traum vom Berufssoldaten in der Australischen Air Force verwirklichen. Aber es kam anders. Henri verunglückte mit 19 Jahren am 23. Mai 1928 bei einem Motorradunfall in der Spring Street in Melbourne mit einem Taxi. Einen Tag später am 24. Mai verstarb er an den Folgen des Unfalls.

Die Argus-Tageszeitung berichtet, dass Henri am 25. Mai ein "halboffizielles" Begräbnis auf dem Fawkner-Friedhof bekommen würde. Da Henri kein offizielles Mitglied der Australian Air Force war, konnte leider kein offizielles militärisches Begräbnis durchgeführt werden. Am Grab wurde kein Ehrensalut geschossen und es gab auch keinen Trompeter der das letzte Hornsignal blies. Aber die Mitglieder des Australian Flying Corps gaben sich alle Mühe es trotzdem so gut wie möglich zu gestalten. Sein Sarg war aber mit den Farben des australischen Fliegerkorps bekleidet, uniformierte Flieger waren seine Sargträger und sein Sarg wurden mit einem RAAF-Wagen und einer Lafette zum Fawkner-Friedhof befördert. Neun ehemalige Mitglieder der 4th Squadron, die ihn noch aus Köln vom Butzweilerhof kannten, und der Sekretär des Air Board (eine Art Aufsichtsrat der Australian Air Force) waren anwesend. Allerdings wurde die Beisetzung so schnell arrangiert, dass es der Familie nicht möglich war so schnell aus Brisbane (Entfernung nach Melbourne ca. 1800 km) anzureisen um an der Beisetzung teilzunehmen. Aber Henris Freundin war mit am Grab. Bevor das Grab geschlossen wurde, bedeckten die Soldaten seinen Sarg mit einer französischen Flagge.
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Spendenaufruf für das Grab von Henri HeremeneSpendenaufruf
Die Soldaten waren sich einig, dass über seinem Grab ein besonderer Gedenkstein errichtet werden sollte. Auch diesmal halfen die Veteranen der 4. Squadron des AFC ihrem Maskottchen. Sie sammelten letzte Spenden für Ihren "Little Digger". Auf dem Grab wurde eine bronzene Figur aufgestellt, die Henri so zeigen wie er an Weihnachten 1918 in Cöln Butzweilerhof zu der Squadron gekommen war.


Sein Vater Tim Tovell, der 1968 verstarb, hat den Tod des Jungen nie verarbeiten können.


Im Lauf der Jahrzehnte verwilderte das Grab und wurde sogar in den 1950er Jahren demoliert. Auch die Figur wurde gestohlen. Um Tim und Gerti, die jedes Jahr eine Trauermeldung in die Zeitung setzten ließen, nicht noch mehr zu verletzen, wurde ihnen nie von diesem Vandalismus erzählt. Und wieder half die Australian Air Force. Mit Spendengeldern der RAAF Association of Victoria und dem Department of Veterans’ Affairs wurde eine neue Grabplatte besorgt. Zur Einweihung waren Soldaten der (neuen) 4th Squadron vor Ort. Der Autor Anthony Hill war bei der Einweihung dabei und traf Nancy die jüngste Schwester von Henri. Die Geschichte finden Sie hier: "Young Digger: the new ending".

Den alte Grabstein nahm die, im Juli 2009 wieder aufgestellten 4th Squadron, mit an den neuen Standort RAAF Base Williamtown. Wie Anthony Hill schreibt, hängen Fotos von Henri "Digger" im Stabsgebäude der Squadron. 

Auf der neuen Grabplatte wurde auch der Spruch verewigt, den sich sein Vater Tim Tovell sich für den alte Grabstein gewünscht hatte.
 


WHO PLUCKED THIS FLOWER?
THE MASTER
THE GARDENER HELD HIS PEACE.

 



     
Die hier rechts abgebildete Erinnerungs- oder besser Traueranzeige erschien immer im Mai in der Tageszeitung "The Telegraph" in Brisbane in den Jahren 1931, 1934, 1935, 1936, 1937, 1938, 1940, 1941, 1942, 1943, 1944, 1945, 1946, 1948 und 1949.
 
Möglicherweise wurde die Anzeige auch in den hier fehlenden Jahren veröffentlicht, dafür gibt es aber bisher keine Zeitungsbelege.
Traueranzeige für Henri Heremene-Tovell


    
Die Geschichte von Henri Heremene wird in zwei Büchern beschrieben:
"Young Digger" von Anthony Hills
und
"Flying Matilda - early days in Australian aviation" von N. Ellison
Weitere Informationen bekommen Sie auch auf den folgenden Webseiten:
- The old nab
- Adopt a Digger Project
- "The story of "Young Digger"
- "How little French orphan Henri Tovell became an honorary digger in World War I"
- "War Mascot's Death"
  
 
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