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     "Warum mußten wir mit 16 Jahren Flakgeschütze bedienen?"
     Die Geschichte der Kölner Luftwaffenhelfer
von Hermann Josef Falkenstein
 
Start Vorgeschichte Ausbildung Luftabwehr Einsatz Luftkrieg Kriegsende
 
            Der 10. November 1944 - Bombenangriff - der Luftkrieg am Butzweilerhof  

Es war ein kalter Morgen mit einem blauen wolkenlosen Himmel noch einer längeren Regenperiode. Wir hatten bereits unseren alltäglichen Morgenappell hinter uns gebracht und waren bei Geschützreinigung und anschließendem Geschützexerzieren. Die Nächte und Tage zuvor waren ruhig und ohne besondere Vorkommnisse geblieben, sieht man davon ab, dass am 4. November eine englische Mosquito um die Mittagszeit das Stadtgebiet in großer Höhe überflog und dabei Flugblätter abwarf.

B 17 "Flying Fortress" Startvorbereitung in Duxford
B 17 "Flying Fortress" Startvorbereitung in Duxford  (2008)
Am selben Morgen - auf dem Feldflugplatz Thorpe Abbots nördlich - der Stadt Ipswich in Ost-England - bereiteten sich die Besatzungen von 203 amerikanischen 4-motorigen Bombern des Typs B-17 "Flying Fortress" der 1. Bomber Division und auf einem anderen Flugplatz die Piloten von 191 Begleitjägern vom Typ P 51-Mustang auf den Flug zu den Angriffszielen, den Flugplatzen Köln-Butzweilerhof und Köln-Ostheim, vor. Jeder Bomber trug 10 Mann Besatzung und 7 820 kg Sprengbomben. Wie aus dem US-Mission-Record ersichtlich, konnten aus irgendwelchen Gründen nur 193 Bomber sich zu einem Kampfverband zusammenschließen, der dann von 182 der geplanten 191 Jagdflugzeugen begleitet und gegen Angriffe deutscher Jagdflugzeuge geschützt wurde. Von diesem Verband griffen 96 den Flugplatz Köln Butzweilerhof und 57 den Flugplatz Köln-Ostheim an, um 177,5 bzw. 180,7 Tonnen Sprengbomben abzuwerfen. Die Bombardierung sollte die Flugfelder unbrauchbar machen, um unseren Jagdflugzeugen keine Start- und Landemöglichkeiten in der Nähe der von Belgien und Frankreich vordringenden alliierten Armeen zu bieten.

Jäger der Alliierten über Durxford Airbase
Jäger der Alliierten über Duxford Airbase (2008) 
B17 Flying Fortress in Angriffsformation
Solche Konsensstreifen kündigten der deutschen  Zivilbevölkerung einen weiteren Luftangriff an.
Von alldem wussten wir aber nichts, bis wir an die Flakbatterien um die beiden Flugplätze gegen 11:30 Uhr an die Geschütze beordert wurden. Um ca. 12:30 Uhr steuerte aus westlicher Richtung über dem Westfriedhof in ca. 5 - 6000 Metern Höhe ein starker Bomberverband, ein breites Band Kondensstreifen hinter sich herziehend, direkt auf das Flugfeld zu. Beim Näherkommen fielen aus der Führungsmaschine zwei Zielmarkierungsbomben, die dicke, weiße Rauchsäulen hinter sich herzogen, die ca. 50 Meter vor unserer Stellung einschlugen. Vom Batterieführer kam sofort der Befehl: ,,Alle Mann in die Deckungslöcher.“ 5 - 6 solcher Deckungslöcher waren um jede Geschützstellung in den Boden gegraben. Wir hatten diese bisher nach nie benutzt, und als wir nun die Holzdeckel, die die Deckungslöcher bedeckten, hochnahmen, sahen wir, dass mit der Zeit die Löcher trichterförmig nach unten zuliefen, wodurch wir nur bis zur Brust darin Deckung fanden. Als wir nun nach oben schauten, sahen wir eine Menge schwarze Punkte, die sehr schnell größer wurden und von rumpelnden Geräuschen begleitet auf uns zufielen. Wir versuchten vergeblich, uns mit aller Kraft tiefer in den Boden zu drücken ...... und dann schlugen die Bomben mit unvorstellbarem Krachen und Luftdruck rund um uns ein, wobei man das Gefühl hatte, auf einem Boot zu stehen, das hin und her schaukelte. Die ersten Detonationen hatten uns schon das Gehör genommen, so dass man nur ein Piepsen in den Ohren und gleichzeitig hörte Schlag auf die Brust bei den Explosionen der Bomben, die rund um uns herum einschlugen, spürte. Gleichzeitig wurden wir mit Erde zugedeckt. Momente später gruben wir uns - nach Luft schnappend - aus der feuchten, uns bedeckenden Erde aus und rannten, ohne dass uns irgend jemand einen Befehl dazu gegeben hätte, durch den beißenden, undurchdringlichen Explosionsrauch in Richtung Westfriedhof. Dort waren in ca. 100 - 150 Metern Entfernung 2 oder 3 große Gruben in die Erde gegraben und durch Gräben miteinander verbunden, die wohl als Erdkampfstellung dienen sollten. Wir hatten diese Gruben gerade erreicht, als erneut das zuvor erlebte Rumpeln und Pfeifen ertönte und wir uns wieder in die Erde drückten und erneut von den Bomben eines weiteren Bombenteppichs zugeschüttet wurden. Als die Explosionen verklungen waren, gruben wir uns erneut aus und standen nun da - im abziehenden Explosionsqualm mit nassen, verdreckten Klamotten, am ganzen Körper unkontrollierbar zitternd und nicht fähig, ein Wert heraus zu bringen, und rangen um Fassung .......!!!

Bombenteppich auf unsere Flakstellung
Der Bombenteppich auf unsere Flakstellung südlich des Butzweilerhofs.
Dann, als wir das abklingende Motorengeräusch der Bomber gewahrten, machten wir uns durch die noch immer wabernden Explosionswolken auf den Rückweg an Bombentrichtern und aufgetürmter Erde vorbei zu unserer Stellung. Dabei erinnere ich mich, daß ich zum Zeitpunkt des Luftangriffs Wachposten am Geschütz 1 hatte, wobei, wie bereits erwähnt, im Winter dabei holländische Holzklumpen getragen werden durften. Da ich zum Zeitpunkt des Angriffs Wachposten hatte, habe ich diese wohl schon bei dem Sprung in des Deckungsloch oder bei der anschließenden Flucht verloren und musste nun auf meinen Socken durch die feuchte Erde laufen, was ich wahrscheinlich jedoch nicht bemerkte. Dort entkommen, bot sich uns ein Bild, das nicht geeignet wer, unsere noch immer nicht wiedererlangte Fassung zurück zu gewinnen: lm unmittelbaren Stellungsbereich waren 10 - 12 Bombentrichter - in einem davon lagen die Trümmer unserer Baracke - das Geschütz 3 hatte 2 Volltreffer erhalten -- unsere beiden Toilettenhäuschen waren in die Luft geflogen - an deren Stelle waren jetzt 2 Bombentrichter - überall lagen Holztrümmer und Erdhaufen, und unsere Verfassung wer so weit unten, wie die Bombentrichter tief waren. Aber wir alle lebten noch!!!
Einen Moment später gewahrten wir, dass unser Unteroffizier nicht da war. Wir fanden ihn dann wenig später in einem fast zugeschütteten Deckungsloch, das von 3 Bombentrichtern eingerahmt war. Noch unter Schockeinwirkung - unfähig zu sprechen, zogen wir ihn dann heraus. Nun stand die ganze Besatzung eine Weile, bis der Batterieführer — ich glaube, es war zu dem Zeitpunkt ein Oberfeldwebel - uns anwies, das Geschütz, das durch einen Bombentreffer vom Fundamentsockel gestoßen und mit der Erde des Geschützwalls halb bedeckt
Fort IV Bocklemünd
Soldaten sind vor dem Haupttor des Gefechtsstand der Kölner Luftabwehr in Fort IV Bockemünd angetreten.
war, wieder ,,Feuerbereit“ zu machen. Wir waren aber dazu wenig bereit und fragten uns, was denn nun mit den Trümmern unserer Baracke geschah? Es dauerte nicht lange, als vom Flugfeld aus ein LKW auf unsere Stellung zurollte, aus dem unter anderem ein höherer Offizier entstieg, dem unser Batterieführer Meldung machte und ihn auf seinem Besichtigungsgang begleitete. Der Offizier kam aus dem westlich neben dem Militärring liegenden Fort IV aus dem 1. Weltkrieg. Dort war die Befehlsstelle der 7. Flakdivision untergebracht, von der aus die gesamte Luftverteidigung im Kölner Raum geleitet wurde. Es ist anzunehmen, dass der Offizier ein Oberst war, der die 7. Flakdivision befehligte. Dieser hielt dann eine kurze Ansprache an uns, bei der er unsere Tapferkeit lobte und dann sagte, dass er veranlasse, dass wir bis zum Abend wieder eine bezugsfähige Unterkunft haben wurden. Und das war dann auch so!


   Missionreport der 303 BG Luftangriff auf den Butzweilerhof am 10. Noveber 1944 Lesen Sie hier den Missionreport der 303 BG "Hells Angels" vom 10. November 1944 Angriff auf den Butzweilerhof.


   
Der 24./25. Dezember 1944

Lancaster der RAF
Für die Nacht vom 24. auf den 25. Dezember verzeichnet das Tagebuch des britischen Bomber Command einen Angriff auf Köln-Nippes. 97 Lancaster und 5 Mosquitos waren im Einsatz. 5 Lancaster gingen über dem Kontinent verloren und zwei weitere stürzten in England ab. Die Resultate dieses Angriffs werden als „extremly accurate“ bewertet und auf der Basis lokaler Berichte festgestellt, dass Gleisanlagen nachhaltig zerstört wurden und ein Munitionszug in die Luft geflogen war. Der nahegelegene Flugplatz Butzweilerhof sei ebenfalls beschädigt worden. 18 Zivilisten und ein Soldat seien getötet worden, als wahrscheinlich Häuser neben den Gleisanlagen getroffen wurden. Unter den abgeschossenen Bombern befand sich auch die Lancaster Mk. III, ND 388, HW-G von der 1th Group, 100th Sqn., vermutlich durch Flaktreffer über Köln zum Absturz gebracht. Alle 7 Besatzungsmitglieder fanden den Tod. Die Nachwirkungen dieses Angriffs erlebte ich wie folgt. Am Morgen des ersten Weihnachtsfeiertages etwa 9:30 h wurden wir, 3 - 4 Luftwaffenhelfer, in unserer Stellung mit einem kleinen Lastwagen abgeholt und zum Flugplatz gefahren. Ein
Trümmer einer Lancaster nach dem Absturz
Trümmer einer Halifax Mk.I Series III nach dem Absturz in der Nähe von Köln.
Offizier war ebenfalls anwesend. Mitten auf dem Flugfeld brannten Trümmer einer abgestürzten Lancaster-Maschine, der gläserne Heckstand, das Leitwerk, zertrümmerte Teile der Maschine lagen auf dem Platz verteilt, überall Brandspuren. Halb im Heckstand der Maschine lag ein Toter der durch den Aufschlag in sein MG eingepreßt war. Auf Befehl des Leutnants mussten ein Kamerad und ich das verbogene Metallgerippe auseinanderziehen und den Toten am Oberkörper hochheben. Die Bekleidung war nach weitgehend in Ordnung. Wir mussten ihm den Pulli hochziehen und fanden einen ledernen Brustbeutel, den wir abschneiden und anschließend öffnen mussten.

Noch heute, jetzt in diesen Augenblick des Berichtens, läuft es mir kalt den Rücken hinunter, und ich bin immer nach fassungslos über dieses Geschehen. Im Brustbeutel fand ich den Ausweis eines jungen Kanadiers, der erst 22 Jahre alt war. Ich war erschüttert darüber, dass dort eine Mutter auf ihren Sohn wartete, der nie mehr zurückkommen würde, und ich durfte leben. Wir legten den Toten zurück, unser Auftrag war damit erfüllt. Ich frage mich, warum wir jungen Luftwaffenhelfer das machen mussten. Was weiter geschah, weis ich nicht, ein Bergungskommando erledigte alles. Auf dem Rückweg, zu Fuß, habe ich geheult wie ein Schlosshund und immer diesen toten Jungen gesehen. Es war eiskalt, wir haben gefroren. Zurück in unserer Stellung gab es besonders gutes Mittagessen, aber ich hatte keinen Appetit mehr, Weihnachten war vorbei.

 
64 Jahre später stand ich im September 2008 vor dem Grab dieses Jungen und alles kam wieder hoch.
 
 
 

















Das Grab des kanadiers Krewenchuk - gestorben am 24.12.1944

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Ich fotografiere das Heck einer Lancaster
Duxford - Das Heck einer Lancaster in dem ich den toten Metro Alex Krevenschuk fand.
Das Heck-MG einer Lancaster
Dies war der eigentlich Arbeitsplatz von Krewenchuk in der Nase der Lancaster. Durch das plane Glas hatte der Bombenschütz einen verzerrungsfreien Blick auf das Ziel.




























ND 388Das Schicksal der Crew und eine Beschreibung dieser Weihnachtsnacht wurde im Kapitel "Die Tragödie der ND 388" beschrieben.
Dabei handelt es sich um eine Gemeinschaftsarbeit von Briten und Deutschen zur Erinnerung an die jungen Männer die starben um Europa von einer Diktatur zu befreien.



   
 
In diesem Lehrfilm der US-Armee werden die verschiedenen Taktiken der deutschen Flak beschrieben.





 
 
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